Alpwirtschaft im Saanenland

Die Alpwirtschaft besitzt ein sehr vielfältiges Bild. Schon in alten Schriften und Berichten werden von Besuchern unserer Region die vor allem schönen Seiten des Küherlebens beschrieben. Auch wenn die Realität oftmals weniger rosig aussieht als sie beschrieben wurde, war und ist die Alpzeit eine spannende, herausfordernde, arbeitsreiche aber auch schöne Zeit.
Kaum an einem andern Ort ist das menschliche Miteinander so intensiv wie im Alltag auf einem Sömmerungsbetrieb, sei es als Familie, mit Mitarbeitern, mit Besuchern und Gästen.

Während der Zeit von ca. Mitte Juni bis Anfangs September verbringt sämtliches Vieh unserer Region den Sommer auf unseren rund 100 Alpbetrieben. Es ist immer ein freudiger Moment, wenn wir Küher unserem Vieh das Zügelgeläute anziehen und z'Bärg zügeln. Zusätzlich zum eigenen Vieh kommen noch die Tiere der Miteigentümer oder das Vieh, das zur Sömmerung von Kollegen gepachtet wird. Als Entschädigung für Futter und Arbeit behält der Küher pro Kuh und Tag 8 - 10 kg Milch, die übrige Milch erhält der Viehbesitzer im Herbst in Form von Käse.

In unserer Region befinden sich die meisten Alpen im Privatbesitz und werden vom Eigentümer oder von einem Pächter bewirtschaftet. In der Regel ziehen die ganzen Bauerfamilien z'Bärg und besorgen die Arbeit gemeinsam. Auf den meisten Alpen wird die Milch vor Ort täglich zu feinem Alpkäse verarbeitet. Unser Alpkäse ist ein Premiumprodukt, welches unsere Kunden als Alp- und Hobelkäse geniessen. Schon in ganz alten Reiseberichten wurde den Saanern das Lob über ihren vorzüglichen Käse ausgesprochen. Der Käse war damals ein gefragtes Exportprodukt und brachte unseren Vorfahren einen gewissen Wohlstand. Wie schon früher ist den Kühern die Qualität bei der Käseproduktion ein grosses Anliegen und wir sind froh, dass über unsere Sortenorganisation Casalp eine gute und kompetente Beratung stattfindet.
Unsere vorige Generation realisierte im Grund das Käsereifungslager, wo von vielen Alpen der Käse fachgerecht gelagert und gepflegt wird. Von den rund 300 Tonnen Alpkäse, welcher in der Region produziert wird, wird ungefähr die Hälfte über den Käsehandel vermarktet, die andere Hälfte wird direkt von den Bauernfamilien an den Konsumenten verkauft.
Zur Verwertung der anfallenden Käsemilch werden auf vielen Alpen Schweine gehalten, welche im Herbst als Alpschweine guten Absatz finden. Im Herbst, wenn wir die Alpen wieder verlassen, sind die Gefühle vermischt mit Freude und Dankbarkeit, aber jedesmal wird man von einer gewissen Wehmut erfasst.

Die Alpwirtschaft ist in unserer Region sehr wichtig. Ein wesentlicher Teil des Einkommens erarbeiten unsere Bauernfamilien auf den Alpen. Da im Sommer keine Kühe auf den Heimbetrieben sind, kann das Futter für die Winterfütterung konserviert werden. Die Bewirtschaftung des Sömmerungsgebietes ist ein wichtiger Beitrag an unser intaktes Landschaftsbild, Beispiele aus anderen Gebieten zeigen, wie schnell die Verbuschung und Ueberwaldung gehen.
Und nicht zuletzt wird mit der Alpwirtschaft, auch wenn sie sich der Zeit anpasst, ein wesentliches kulturelles Erbe auf natürliche Art gepflegt.

Als Abschluss der Alpsaison findet jährlich im September ein Alpkäsemarkt in Saanen statt. Einheimische bieten feinen Berner Alp- und Hobelkäse sowie Alpraclette und andere Spezialitäten an. Für gute Stimmung und eine gemütliche Atmosphäre sorgen Jodel und Alphornklänge.

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